"Noah" 8/16

Der Erfolg war überwältigend. Jeder freute sich, an diesem einzigartigen Bauwerk mitarbeiten zu dürfen. Die Hilfsbereitschaft war so groß, dass Noah sogar Zuschauer dafür einsetzen konnte, Absperrungen zu bauen, hinter die die freiwilligen Arbeiter dann gejagt wurden, als sie mit der Arbeit fertig waren.

Andere wurden dann dafür eingesetzt, von den Leuten hinter den Absperrungen die Zuschauergebühr zu kassieren.

Trotzdem oder gerade deswegen waren alle Beteiligten derart begeistert, dass noch Generationen später alle Leute davon erzählt hätten, wenn nicht diese dumme Sache mit der Sintflut passiert wäre, die bekanntlich sehr viele Leute sehr geärgert hat.

Da die meisten Leute lieber das Geld sparten und stattdessen tatkräftig mithalfen, konnte das Schiff innerhalb von 14 Tagen fertiggestellt werden.

Durch das Besichtigungsgeld derer, die bei der Schlange am Arbeitsbüro zur Seite gedrängt wurden und so ihre Arbeitskraft nicht anbieten konnten, konnte der Bau der Arche fertigbezahlt und sogar noch ein Farbfernsehgerät sowie etliche weitere Neuerungen technischer Art angeschafft werden.

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Die Arche war fertig. Der warme Geldregen floß allerdings unaufhaltsam weiter und dem geschäftstüchtigen Noah blieb nichts anderes übrig, als das Geld anzunehmen. Anderenfalls hätten sich die Spender beleidigt gezeigt.

Beim Kassensturz merkte man, dass man eigentlich mehr hatte, als man brauchte und noch verbrauchen konnte und noch waren nicht alle Einträge eingeplant. Einige Objekte liefen noch.

Noah verkaufte sogar noch die Werbeflächen an den Seiten der Arche. Geschäftstüchtige Kaufleute ergriffen sofort diese Werbemöglichkeit mit der höchstmöglichen Breitenwirkung. Das höchste Angebot erhielt jeweils den Zuschlag.

Direkt am Heck hing folgendes Plakat:

WÜSTODENT!

DIE GROSSARTIGSTE ZAHNPASTA, DIE ES JE GAB!

DIE ZAHNPASTA MIT DEM
ORIGINAL-WÜSTENSAND-KNIRSCHEN
ZWISCHEN DEN ZÄHNEN!

WÜSTODENT!

MIT DEM GLÄNZEN EINER FATA MORGANA!

Man merkt, Noah war ein außerordentlicher Geschäftsmann. Dies war allerdings nur eine seiner vielen guten Eigenschaften, die erst jetzt zutage traten.

Daneben war er ein ideen- und trickreicher Erfinder. Für einen lächerlich geringen Betrag hatte er bei dem Chefzoologen seiner Heimatstadt, Professor Dr. Grzim, ein Giraffenskelett erstanden. Er leimte es zusammen und am Halsansatz baute er ein bewegliches Gelenk ein. Noch schnell eine Kette am Hals befestigt und über ein paar Rollen geführt: fertig war der erste Kran.

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