"Noah" 7/16

"Lieber Freund. Ich habe ausnahmsweise eine Bitte an dich. Wie du weißt, habe ich im Moment größere Ausgaben, die ich zum überwiegenden Teil in Waren deines Geschäftes anlegen werde. Ich erwarte allerdings noch einen größeren Betrag von meiner Firma anläßlich meiner 25-jährigen Betriebszugehörigkeit. Es ist mir deshalb nicht möglich, das Geld für deine paar alten, morschen Bretter sofort zu zahlen. Wäre es dir deshalb unter Umständen vielleicht möglich, mir die Zahlung für ein paar Tage zu stunden?"

Erstaunlicherweise hatte Noah Glück.

Hammamed verschob die Zahlung auf einen späteren Termin, nicht ohne einen Schuldschein in Empfang zu nehmen, der ihm 23 % Zinsen im Jahr garantierte. Er hatte dabei den Hintergedanken: "Einem armen Irren" (Anmerkung: gemeint ist Noah!) "kann ich das ruhig gestatten, besonders, wenn ich viel an ihm verdiene."

Diese Sorge war Noah schon mal los.

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Den zweitgrößten Posten der Ausgabenseite neben dem Holz nahm der Artikel Teer und Pech ein.

Die fast 5500 qm Außenfläche mußten schließlich wasserdicht gemacht werden und zu diesem Zweck mußte die Schicht mindestens 10 cm dick sein. Das entsprach ungefähr 500 Kubikmetern Teer bzw. Pech.

Noah hatte Glück mit seinem Pech. Sein Schwager war Vorsitzender des Aufsichtsrates der Massel-Pech-KG. Dieser besorgte ihm, zwar unter Schwierigkeiten, die erforderliche Menge zu einem sagenhaft günstigen Sonderpreis. Von dem dadurch gesparten Geld blieb leider der größte Teil an den mit Teer und Pech versehenen Fingern der Arbeiter hängen.

Besagter Schwager besorgte Noah auch zwei große Teeröfen und sorgte persönlich für den Transport, um ebenso persönlich eine kleine Anerkennung für seine Mühen in Form eines Geldgeschenkes entgegenzunehmen. Mit Teer und Öfen hatte Noah nun alles zusammen, was er brauchte.

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Jetzt begannen andere Sorgen. Wie sollte er das riesige Ding zusammenbauen? Es hatte grobgerechnet 50.000 Kubikmeter Inhalt!

Er trommelte sämtliche nahen und fernen Verwandte zusammen und begann zu hämmern, zu sägen, zu nageln, zu flicken, zu teeren und was sonst noch alles dazugehörte.

Die Arbeit ging recht flott voran. Nach Noahs Berechnungen mußte die Arche (komischer Name!) in 2 - 3 Jahren fertig sein.

Eine Sache störte Noah noch mehr als die Aussicht auf 2 - 3 Jahre handwerklicher Schwerstarbeit (zumal er nicht wußte, für wann Gott den Beginn der Bestrafungsaktion angesetzt hatte), und das waren die vielen Zuschauer, die ihn an allen möglichen und unmöglichen Stellen behinderten. Nur mit großem Stimmaufwand und unter Anwendung sanfter Gewalt war es ihm möglich, einige Kinder von Zuschauern daran zu hindern, in die Teeröfen zu fallen.

Ihm als ausgezeichnetem (mit der Goldenen Toilettenbürste!) Vertreter fiel sehr bald etwas ein, das seinem Niveau entsprach. Um es ganz schlicht und bescheiden zu sagen: es war genial.

Seine Frau pinselte mit dem Küchenpinsel in mühevoller Arbeit folgendes Schild:

WIR MÖGEN KEINE ZUSCHAUER!

ENTWEDER

SIE VERSCHWINDEN UND SEHEN NICHTS VON DIESEM
IN DER WELTGESCHICHTE EINMALIGEN BAU, DEM
EINZIGEN SCHIFF IN DER WÜSTE

ODER

SIE HELFEN UNS!

WIE? GANZ EINFACH! ENTWEDER SIE BEZAHLEN FÜR
DAS ZUSCHAUEN ODER SIE ARBEITEN MIT!

NOAH

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