"Noah" 3/16

mit in die Arche. Und von bestimmten Tierarten, die ich dir noch näher bezeichnen werde, nimmst du je sieben Exemplare mit."

Gott hatte gesprochen. Es war ruhig im Haus. Noah wußte nicht, wie ihm geschah.

Träumte er oder wachte er?

Er griff zu der handelsüblichen Methode, sich vom Wachsein zu überzeugen. Er kniff sich mit voller Kraft in den Arm und ... schrie laut auf. Er hatte nicht geträumt. Der Schmerz und ein blauer Fleck waren der Beweis dafür.

Noah sprang auf, als ob er den Schmerz an einer
ganz anderen Stelle verspürt hätte und raste zum Telefon.
Seine verheirateten Söhne mußte er unbedingt sofort anrufen.

"Sem, du mußt sofort zu mir kommen.
- Was, dein Friseurladen ist voller Kunden? Macht nichts.
- Komm sofort, aber mit deiner Frau!"

"Ham, komm mal zu mir rüber, bring deine Frau mit.
- Nein, wir feuern keine Party.
- Du brauchst dir auch nicht deinen Konfirmandenanzug anzuziehen.
- Ich habe keine Zeit mehr. Komm rüber."

"Japheth. Komm zu mir rüber. Bring deine Frau mit.
- Wie bitte, sie kann nicht kommen, sie hat einen Kuchen im Ofen?
- Das, was ich euch zu sagen habe, ist viel wichtiger als ein angebrannter Kuchen.
- Nein, ich habe nicht im Lotto gewonnen und gebe auch keinen aus."

&

Zehn Minuten später war das sowieso viel zu kleine Wohnzimmer der Familie Noah überfüllt.

Den Familienoberhauptsessel hatte natürlich Noah höchstpersönlich besetzt. Seine Frau saß auf der Familienoberhauptsessellehne. Die übrigen drei Sessel wurden von den drei Frauen seiner Söhne mit Beschlag belegt. Sem und Ham hatten auf der Wäschetruhe Platz genommen, neben der Wäschetruhe saßen die beiden jüngsten Söhne auf dem Boden.

Man wird nun mit Recht fragen, wo denn der dritte der erwachsenen Söhne Noahs, nämlich Japheth saß. Dieser Schlingel hatte sich auf das Aquarium gesetzt und damit den dort zur Zeit noch ihr Leben fristenden 17 Fischen die ganze Sicht verdeckt.

Na ja, so schlimm wird es wohl nicht gewesen sein, das wissen wir aus unseren Erfahrungen von der Sintflut her. Es ging damals den Fischen am besten, das wissen wir genau.

Schließlich wird den meisten von uns die Sintflut sicher unvergeßlich bleiben.

Wie gesagt: alle saßen beisammen und lauschten mehr oder weniger ehrfurchtsvoll Stammvater Noahs gesetzten und in den vergangenen 10 Minuten wohlüberlegten Worten. Japheth war einer der weniger Ehrfurchtsvollen. Er versuchte nebenbei, seinen Lieblingsfisch, den kleinen Moby, zu streicheln.

Doch je mehr die Zeit fortschritt, je mehr seine Versuche ihm immer weniger erfolgversprechend erschienen und vor allen Dingen je mehr Noah auf den springenden Punkt seiner Ausführungen kam, desto ruhiger und aufmerksamer wurde er. Er paßte sich zum ersten Mal in seinem Leben der restlichen Familie an.

Mit einiger Verspätung klappte auch seine Kinnlade (als neunte!) nach unten und rastete dort hörbar ein.

In dieser nicht allzu bequemen Stellung verblieben die genannten Gesichtsteile, bis Noah sich kurzfristig nach einer Stunde ent-

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